Prof. Dr. Axel Schneider: Gefangen zwischen Geschichte, ökonomischen Interessen und außenpolitischem Realismus: Taiwans schwierige Lage und das Konfliktpotential in Ostasien

Seit 120 Jahren wurde Taiwan (offiziell: Republik China auf Taiwan) nicht mehr von dem jeweils auf dem chinesischen Festland herrschenden Regime regiert. Nach einem halben Jahrhundert japanischer Kolonialherrschaft und fast einem halben Jahrhundert nationalchinesischer Militärdiktatur ist die Republik China auf Taiwan seit 20 Jahren eine konsolidierte Demokratie, die jedoch trotz ihrer ökonomischen Stärke und trotz ihrer demokratischen politischen Verfassung von kaum einem Staat der Welt anerkannt wird. Vielmehr betrachtet die Volksrepublik China Taiwan bis heute als festen Bestandteil ihres Staatsgebietes und verhindert deswegen die internationale Anerkennung Taiwans auf Grundlage einer chinesischen Variante der „Hallsteindoktrin“. Gleichzeitig ist aber auch die Lage auf Taiwan höchst komplex, da die Insel wirtschaftlich von dem Festland immer mehr abhängt, während gleichzeitig in den letzten 20 Jahren immer weniger Bewohner der Insel sich als Chinesen empfinden und das obwohl kulturell wie sprachlich die Wurzeln zweifelsohne chinesisch sind. Diese komplexe historische, kulturelle, ökonomische und politische Gemengelage wird nun noch durch die strategische-außenpolitische Lage und Bedeutung der Insel im Kontext einer konfliktgeladenen internationalen Machtkonstellation im westlichen Pazifik weiter verkompliziert. Ziel des Vortrages wir es sein, diese historisch gewachsene, komplexe Lage zu analysieren und Überlegungen zur potentiellen zukünftigen Entwicklung Taiwans daran zu knüpfen.

11. Mai 2016 von stagez
Kategorien: RVL Konflikte in der Welt | Schreibe einen Kommentar

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